Delegationsreise "Sozialismus des 21. Jahrhunderts"
Im Rahmen einer Delegationsreise organisiert vom Studierendenverband DIE LINKE.SDS besuchte im Frühjahr 2008 eine Gruppe von über 30 Studierenden Venezuela, darunter sechs hessische Studierende aus Frankfurt, Marburg und Darmstadt, um sich dort über die politischen Entwicklungen zu informieren. Unter ihnen Janine Wissler, Landtagsabgeordnete für DIE LINKE im Hessischen Landtag, die die Delegation für einige Tage begleitete.
Programmpunkte waren unter anderem der Besuch der Nationalversammlung, die Besichtigung besetzter Fabriken, das Gespräch mit indigenen Gruppen, Treffen mit Politikern, aber auch der Austausch mit venezolanischen Studierenden.
Ziel der Reise ist es, die Entwicklungen in Venezuela genauer kennenzulernen, die enormen Fortschritte aber auch die Probleme beim Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft. Daher besucht die Gruppe Institutionen und staatliche Einrichtungen, führt aber auch Gespräche mit der Bevölkerung und Basisorganisationen. In den Gesprächen und Veranstaltungen ging es um die Sozialreformen, die in Venezuela eingeleitet wurden seit Hugo Chavez Präsident ist und die Fortschritte des gesellschaftlichen Umbaus, aber auch die politischen Entwicklungen in ganz Lateinamerika und der Konflikt mit Kolumbien waren Themen.
Die Delegation wurde herzlich aufgenommen und zog viel Aufmerksamkeit auf sich. Zu einem Auftritt in der Fernsehsendung des Präsidenten Hugo Cavez kamen unzählige Interviews mit Fernseh- und Radiosendern. Die Gruppe informierte sich über den Aufbau alternativer Medien und kommunaler Radiostationen.
Besonders beeindruckt waren die Hessen von der Bildungspolitik in Venezuela. Bildung ist für alle kostenlos zugänglich – von der Kita bis zur Uni. Im Gegensatz zu Deutschland, wo nach und nach Studiengebühren eingeführt werden, wie in Hessen geschehen.
Auf Einladung der Vorsitzenden des Bildungsausschusses in der venezolanischen Nationalversammlung bereiste die Gruppe Maracaibo, den Wahlkreis der Abgeordneten – was auch ein lohnendes Ausflugsziel für den Bildungsausschuss im Hess. Landtag wäre.
Jedes Kind hat das Recht auf einen Krippen-/Kitaplatz. Die Delegation besuchte einen Kindergarten nahe von Maracaibo, wo 210 Kinder von 0 bis 6 Jahren in zwei Schichten betreut werden. Sie erhalten kostenlos Frühstück und Mittagessen und werden medizinisch betreut. Was in Deutschland angeblich nicht finanzierbar ist, ist in Venezuela offensichtlich kein Problem.
In Mara im Bundesstaat Zulia besuchte die Studierenden ein Gesundheitszentrum, in denen die Menschen umfassend und kostenlos versorgt werden. Es wurde vor wenigen Jahren errichtet, zuvor gab es in dem Ort mit etwa 200.000 Einwohnern keine medizinische Versorgung. Während in Deutschland Gesundheit immer mehr zur Ware wird, Krankenhäuser privatisiert und Leistungen im Gesundheitsbereich gekürzt werden, investiert Venezuela viel Geld in die medizinische Versorgung. Die Delegation traf die leitende Ärztin des Zentrums und den Bürgermeister von Mara, mit 29 Jahren der jüngste Bürgermeister Venezuelas.
Auch für den kulturellen Austausch war gesorgt, indigene Gruppen zeigten traditionelle Tänze und klärten über deren Ursprung und Bedeutung auf.
Was man von dem revolutionären Prozess in Venezuela für Hessen lernen kann?
Deutschland ist viel reicher als Venezuela, wenn es dort möglich ist Gesundheit und Bildung für alle Menschen kostenlos anzubieten, muss das in Deutschland erst recht möglich sein. Es ist eine Frage des politischen Willens und der Prioritäten.
Die Menschen in Venezuela sind Subjekt des revolutionären Prozesses, in zahlreichen Kommunalräten, Basisorganisationen und Vereinen wirken sie an dem Aufbau einer neuen Gesellschaft mit. Veränderung braucht Bewegung von unten, Parlament und Regierung allein können Gesellschaft nicht grundlegend verändern – weder in Hessen, noch in Lateinamerika.
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